Bô Yin Râ

Die Seele


Die Seele kann ein Meer sein,

Aber auch - ein Tümpel,

Verjaucht, und angefüllt

Mit irdischem Gerümpel . . .


Ist sie ein Meer,

So hält sie, gleich den Meeren,

Sich selber immerfort bewegt und rein.

Ist sie ein See,

So wird in gleicher Weise

Sie selbst sich Klärung

Durch lebendige Bewegung sein.

Und auch als Teich

Kann sie sich selber klären,

Mag das nach Stürmen

Auch recht lange währen.

 

Ist sie jedoch ein Tümpel,

Gibt sie allem Abfall Raum,

Verwest als trüber Pfuhl

Und - fühlt es kaum.



Aus: Leben im Licht

 



 

 

Und Abermals


Die Seele kann ein Dom sein,

Aber auch - ein Stall, -

Ein enger Pferch -

Und auch - ein Weltenall . . .

 

Durch alles, was sie geben kann,

Und was sie nimmt,

Wird ihr die innere Gestalt,

Und wird ihr Fassungsraum bestimmt.

 

Was ihrem Raume nicht entspricht,

Muss sie gelassen lassen, -

Nur was er in sich fasst,

Kann sie in Wahrheit "fassen".


Zum Segen aber wird der Seele

Alles, was den Raum ihr weitet,

Und wieder Segen

Durch sie selbst verbreitet.


Doch muß sie ständig auf der Hut

Vor Neid und Hass und Härte sein,

Denn Neid, wie Hass und liebelose Härte,

Engt jeder Seele Raum bis zur Vernichtung ein.



Aus: Leben im Licht